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Konföderation und Frieden aus islamischer Perspektive

Im Namen Gottes

Ihre Exzellenz Arnold Koller

Sehr geehrte Damen und Herren

Friede möge mit Ihnen sein

Ibrahim SalahDas „Fribourg Peace Forum“ hat mich gebeten, eine Rede zum Thema Konföderation und Frieden aus islamischer Perspektive zu halten. Um diese Frage objektiv anzugehen, müssen wir das damalige religiöse, soziale und politische System verstehen; dies gilt insbesondere zur Frage der Beziehung der Menschen zu den „Anderen“ – jene anderer Hautfarbe, Sprache un Religion. Zur Zeit des islamischen Erscheinens waren die beiden damaligen Mächte – die Römer und die Perser – in diverse Kriege im Nahen Osten verwickelt. Die Römer waren ihrer Brutalität und der Verfolgung der Christen wegen gefürchtet. Sie machten es zum Brauch, die Besiegten und diejenigen anderer Sprache und Hautfarbe zu versklaven. Die arabische Halbinsel war bevölkert von ignoranten und sich bekriegenden Stämmen die den Brauch hatten, neugeborene Mädchen lebendig zu begraben. Die vorherrschenden Religionen waren heidnisch; es lebten dort auch einige Juden und Christen.

Bevor der Islam ein überlebensfähiges politisches System errichten konnte, musste er die vorherrschende soziale und politische, auf Heidentum ausgerichtete Ordnung im Nahen Osten von Grund auf ändern. Folgende Schritte waren dazu notwendig:

1.    Rassismus, sowie die Ablehnung anderer aufgrund ihrer Religion, Rasse oder Hautfarbe mussten beseitigt werden. So hat der Islam Frieden und Brüderlichkeit gelehrt. Der Koran hält hierzu in Sure 49, „al-Hujurat“ (die Wohnungen), Vers 13 fest:

 

„O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig.“

 

Der Islam betont, dass es Gottes Wille war der den Menschen in verschieden Hautfarben, Glauben und Sprachen geschaffen hat, wie beschrieben in Sure 30, „ar-Rum“ (die Römer), Vers 22:

 

„Und unter Seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und (Haut)Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden.“

 

Hätte Er (Gott) es gewollt, so hätte Er uns alle als Juden, Christen, Buddhisten oder Muslime erschaffen; siehe dazu Sure 11, „Hud“, Vers 118:

 

„Und hätte dein Herr Seinen Willen erzwungen, wahrlich, Er hätte die Menschen alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht. (...)“

 

2.    Der Islam hat die Religionsfreiheit verankert. Es war die erste Verankerung der Religionsfreiehit in der Geschichte der Menschheit. Während die Besiegten jeweils die Religion der Sieger annehmen mussten, klärt der Kroan in Sure 18, „al-Kahf“ (die Höhle), Vers 29:

 

„Und sprich: «Die Wahrheit ist es von eurem Herrn: darum laß‘ den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will.» (...)“

Weiter hierzu in Sure 2, “al-Baqarah” (die Kuh), Vers 256:

„Es soll kein Zwang sein im Glauben. (…)“

Und weiter in Sure 109, „al-Kafirun“ (die Ungläubigen):

1. Sprich: «O ihr Ungläubigen!

2. Ich verehre nicht das, was ihr verehret,

3. Noch verehrt ihr das, was ich verehre.

4. Und ich will das nicht verehren, was ihr verehret;

5. Noch wollt ihr das verehren, was ich verehre.

6. Euch euer Glaube, und mir mein Glaube.»

 

3.    So war es auch der Islam, der die abscheuliche Priesterschaft abgeschafft hat. Jene Priesterschaft, die über Leben und Tod entschied, über Misere und Glückseligkeit der Menschen. Im Gegensatz dazu lehrt der Koran, dass jeder Mensch sich direkt an Gott wenden mag, um um Vergebung zu bitten, dies ohne Zutun eines Vermittlers. So besagt der Koran in  Sure 11, “Hud”, Vers 3:

„Und dass ihr Vergebung erflehet von eurem Herrn und euch dann zu Ihm bekehrt. (…)“

Oder in Sure 40, „Ghafir“ (die Vergebende), Vers 60:

„Euer Herr spricht: «Betet zu Mir; Ich will euer Gebet erhören.» (…)“

 

4.    Der Schweizer Gelehrte Hans Küng sagte einmal, dass es keinen Frieden zwischen Nationen geben kann bevor kein Frieden unter den Menschen herrscht; es kann keinen Frieden unter den Menschen geben bevor kein Frieden zwischen den Religionen herrscht. Genau diesen Frieden hat der Islam hergestellt indem er alle vorherigen Religionen anerkannte und Ihnen Respekt zollte, insbesondere dem Judentum und dem Christentum. So lesen wir im Koran Sure 2, “al-Baqarah” (die Kuh), Vers 285:

„Dieser Gesandte (Prophet Mohammed) glaubt an das, was zu ihm herab gesandt wurde von seinem Herrn, und (also) die Gläubigen: sie alle glauben an Allah, und an Seine Engel, und an Seine Bücher, und an Seine Gesandten (und sprechen): «Wir machen keinen Unterschied zwischen Seinen Gesandten»; und sie sagen: «Wir hören, und wir gehorchen. Uns Deine Vergebung, o unser Herr! und zu Dir ist die Heimkehr.»“

Der Koran betont ebenfalls den starken Glauben und den Respekt der Muslime gegenüber dem Judentum und dem Christentum. Der Koran spricht über die Tora und die Bibel als Bücher voller Licht und Rechtleitung wie in Sure 5, „al-Maida“ (der Tisch), Vers 44  und 46:

44. Wir hatten die Tora hinab gesandt, in der Führung und Licht war. Damit haben die Propheten, die gehorsam waren, den Juden Recht gesprochen, und so auch die Wissenden und die Gelehrten; denn ihnen wurde aufgetragen, das Buch Allahs zu bewahren, und sie waren seine Hüter. (...)

46. Wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, in ihren Spuren folgen, zur Erfüllung dessen, was schon vor ihm in der Tora war; und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Führung und Licht war, zur Erfüllung dessen, was schon vor ihm in der Tora war, eine Führung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.

 

Der Koran ist die einzige Heilige Schrift, die der Jungfrau Maria ein komplettes Kapitel (Sure) mit 98 Versen widmet (Sure 19, „Maryam“). Darin wird Jesus geehrt und als „die Seele“ sowie als „das Wort Gottes“ beschrieben. Diese Beschreibung ist einzigartig und kein anderer Prophet wurde in dieser Weise beschrieben. So bestätigt der Koran auch, dass Jesus keinen Vater hatte und dass Jesus Wunder vollbrachte wie Tote wieder auferstehen und Blinde wieder sehen zu lassen sowie Kranke zu heilen und andere mehr.

Aufgrund dieses sehr speziellen Verhältnisses zu den „Leuten der Schrift“, ist es den Muslimen erlaubt deren Frauen zu heiraten und deren Nahrung zu essen. Und eben weil der Islam an die Leute der Schrift glaubt, erfreuten sich Juden wie Christen des Schutzes und des Friedens in muslimischen Ländern, wo sie weder verfolgt noch vernichtet wurden. Bis zum heutigen Tag leben beide Minderheiten in Frieden und Ruhe inmitten der muslimsichen Bevölkerung. Die Juden selbst bezeugen, dass, wie Professor Israel Shahak es in seinem Buch „Jewish religion and Jewish history” beschreibt, die Muslime die Juden immer beschützt haben und als sie aus Spanien vertrieben wurden, in muslimischen Ländern Zuflucht fanden, insbesondere in der Türkei.

So hat der Islam den Rassismus und die Ablehnung der „Anderen“ verbannt. So hat der Islam Frieden zwischen den grossen Religionen und deren Gläubigen hergestellt. Als weiteres Beispiel der Akzeptanz und Toleranz seien die Gefolgsleute des Propheten erwähnt: Bilal – ein befreiter, schwarzer Sklave, Salman – ein persischer Berater und Suhaib – ein weisser, römischer Konsulent. Unter islamischer Herrschaft gab es keinen “Clash of Civilizations” wie Huntington es beschreibt, noch gab es ein “The End of History”  wie durch Fukuyama beschrieben. Unter islamischer Herrschaft gab es keinen Holocaust. Im Islam gab und gibt es kein „Deutschland über alles“.

 

5.    Nachdem der Islam den Rassismus verbannt hatte, befasste er sich mit der Frage der Frau: der Mütter, Gemahlinnen und Töchter. Alle Schriften beschuldigen die Frau als verantwortlich dafür, dass Adam aus dem Paradies verbannt wurde und ihretwegen muss die Menschheit leiden. Die Frau wurde als niederes, satanisches Wesen beschrieben welches den Mann verführt. Es wurde sogar die Frage gestellt, ob denn die Frau eine Seele habe. Frauen wurden stets verfolgt und als Neugeborene in arabischen Stämmen lebendig begraben.

Der Heilige Koran hat die Frauen erhoben und ihre Ehre wieder hergestellt. Adam war es, der Satan folgte und Gott nicht gehorchte; wir lesen dazu in Sure 20, „Taha“, Vers 120 bis 122:

120. Jedoch Satan flüsterte ihm Böses ein; er sprach: «O Adam, soll ich dich zum Baume der Ewigkeit führen und zu einem Königreich, das nimmer vergeht?»

121. Da aßen sie beide davon, so dass ihre Blöße ihnen offenbar wurde, und sie begannen, die Blätter des Gartens über sich zusammenzustecken. Und Adam befolgte nicht das Gebot seines Herrn und ging irre.

122. Dann erwählte ihn sein Herr und wandte Sich ihm zu mit Erbarmen und leitete (ihn).

So hat der Islam die Frauen dem Manne gleich gestellt wie beschrieben in Sure 3, „al-Imran (das Haus Imrans), Vers 195:

„(...) «Ich lasse das Werk des Wirkenden unter euch, ob Mann oder Weib, nicht verloren gehen. Die einen von euch sind von den andern. (...)“

So hat der Islam der Frau auch die finanzielle Unabhängigkeit vom Mann zugesichert, welcher fortan keine Rechte mehr über deren Vermögen oder Eigentum besaß. Dieses Recht der Frauen wurde in Europa erst vor einigen Jahrzehnten eingeführt.

 

6.    Im Islam ist das Leben heilig. Einen Menschen zu töten ist wie die ganze Menschheit zu töten, dazu Sure 5, „al-Maida“ (der Tisch), Vers 32:

„Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels verordnet, daß wenn jemand einen Menschen tötet - es sei denn für (Mord) an einem andern oder für Gewalttat im Land -, so soll es sein, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. (...)“

Krieg war deshalb nur zur Selbstverteidigung erlaubt wie beschrieben in Sure 2, „al-Baqarah“ (die Kuh), Vers 90:

„Und kämpfet für Allahs Sache gegen jene, die euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht, denn Allah liebt nicht die Maßlosen.“

Unter keinen Umständen ist es erlaubt selber einen Krieg anzuzetteln; und sollte vergolten werden, so ist höchstens mit Gleichem zu vergelten; dazu weiter in Sure 2, „al-Baqarah“ (die Kuh), Vers 194:

„ (...) Wer sich also gegen euch vergeht, den straft für sein Vergehen in dem Maße, in dem er sich gegen euch vergangen hat. Und fürchtet Allah und wisset, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist. (...)“

 

7.    Im Islam sind Kooperationen zwischen Staaten und Individuen erlaubt, jedoch nur wenn sie Gutes bezwecken; andernfalls sind sie verboten, wie festgehalten in Sure 5, “al-Maida“ (der Tisch), Vers 2:

„O die ihr glaubt! (...) (Und) helfet einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit; doch helfet einander nicht in Sünde und Übertretung. Und fürchtet Allah, denn Allah ist streng im Strafen.“

 

Mit Einführung dieser Reformen hat der Islam die Grundsteine für eine gesunde Gesellschaft und für einen überlebensfähigen Staat gelegt. So wurde das erste Bündnis mit den Juden geschaffen, das fortan als das „Medina-Dokument“ bekannt wurde. Dieses hält fest:

“Im Namen Gottes

Die Juden in Medina sind eine Nation und eine Gemeinschaft, sie haben ihre eigene Religion, ihre eigenen Regeln und Bräuche; und die Muslime sind eine Nation und eine Gemeinschaft. Die Juden sind unsere Nachbarn und Partner mit gleichen Rechten und Pflichten. Beide Parteien willigen ein, sich zusammen gegen jedwelche Aggression durch Dritte zu verteidigen; sie (die Parteien) arbeiten zusammen in guten Treu und Glauben und fördern den Handel.“

Dieses Bündnis, diese Vereinbarung wurde auf die Christen in Nagran ausgedehnt. Als die Christen den Propheten dann besuchten, erlaubte er ihnen, seine Moschee mit ihren Kreuzen zu betreten und ihre Gebete und Zeremonien darin abzuhalten. Zudem hat der Prophet die Muslime angehalten, Geld für die Wiederherstellung und die Neuerrichtung von Kirchen bereit zu stellen. Dieses Geld wurde durch das Schatzamt gespendet, es war ein Geschenk und war nicht zu vergüten. Der Prophet hat sich und jeden Muslim verpflichtet, die Christen gegen jegliche Aggression von aussen zu verteidigen als ob er seine eigene Frau und Kinder verteidigen würde. Dies war das erste Bündnis oder die erste Konföderation in der Geschichte des Islams.

Die gleichen Prinzipien zur Konföderation fanden Anwendung im Grossen Islamischen Reich, welches sich einst von China bis nach Spanien erstreckte. In dieser Konföderation hatte jedes Land seine eigene Religion, sein eigenes Recht und seine eigene Sprache; die Grenzen waren offen und freier Handel war garantiert. Das Bündnis hat zusammen gearbeitet in den Bereichen Finanzen  und Verteidigung. Die Nationen lebten in Frieden und konnten sich frei entwickeln. Es gab kein Massaker an Minderheiten. Bis heute leben jüdische und christliche Minderheiten in islamischen Ländern, wo sie ihre eigenen Gerichte anrufen, um über religiöse oder zivilrechtliche Angelegenheiten zu richten.

Als Beispiel eines solchen Systems sei das islamische Spanien erwähnt, wo Christen, Juden und Muslime zusammen in Frieden und Harmonie lebten, wo eine erhabene Zivilisation geschaffen wurde welche die europäische Renaissance massgeblich beeinflusste.

Mit der Zerschlagung des Osmanischen Reichs wurde die Türkei ein unabhängiger Staat und die restlichen Staaten wurden aufgrund von Nationalitäten aufgeteilt. Mit erheblichen Konsequenzen, entstand doch dadurch der kurdische Konflikt zwischen der Türkei, dem Irak und dem Iran; so entstand auch die Frage der Araber im Iran oder die Frage der Berber in Nordafrika und einige mehr.

Europa hat viel aus seiner blutigen und schmerzlichen Geschichte gelernt und inzwischen eine Europäische Union geschaffen. Heute stellt sich folgende Frage: könnten die Muslime eine Grosse Muslimische Konföderation schaffen und so alle existierende Probleme lösen? Wir warten immer noch auf eine Antwort.

***

Ibrahim Salah,  17. September 2010

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